24.03.2025 | Pressebericht

Besuch beim Schalterspezialisten

Von Florian Sauer

Elsenroth. Dass die Namen oberbergischer Firmen oft nur Szenekennern bekannt sind, obwohl sie Produkte entwickeln, die auf dem Weltmarkt ganz vorne mitmischen, erfuhr Landrat Jochen Hagt gestern einmal mehr. Am Mittwoch besuchte er zusammen mit seinem Planungsdezernenten Frank Herhaus und Uwe Cujai, Leiter der Wirtschaftsförderung des Kreises, die Produktionsstätte der Brehmergroup in Elsenroth. Das von Ingenieur Thomas Brehmer gegründete Unternehmen hat sich längst mit hochintelligenten Schaltern einen Namen in der Fahrzeugzuliefererbranche gemacht.

Zum Jahreswechsel hatte dort die Insolvenz des Motorradbauers und Großkunden KTM für Unsicherheit gesorgt. Doch die Brehmergroup hat das große Glück, dass der Bereich Militärtechnik – das zweite Standbein – inzwischen regelrecht boomt, weil Europas Staaten für ihre Verteidigung so viel Geld ausgeben, wie seit Jahrzehnten nicht. „Wir sind wieder auf Wachstumskurs", betonte der Firmenchef denn auch am Mittwoch.

Kritik am Campus Gummersbach
Themen für das Gespräch mit dem Landrat gab es genug – von der Übernahme der Geschäftsleitung durch Robin Brehmer, die nächste Familiengeneration, bis zum Fachkräftemangel. „Richtig weh“ tue es der Firma, dass der Campus Gummersbach keine Elektro-Ingenieure mehr ausbildet, so Brehmer, der aus der Nothe-raus inzwischen zwei Entwicklungs-standorte mit jungen Ingenieuren in den Niederlanden gegründet hat.

Hagt sagte zu, dies an die Führung der TH Köln und den Gummersbach-Dekan weiterzugeben.

Genau die andere Richtung, also die Verlagerung nach Deutschland, schlägt Brehmer im Rüstungssektor ein. Hier soll die Fertigung, unter anderem von Tarnsystemen, die für das bloße Auge unsichtbares langwelliges Licht einsetzen, aus Lettland und Bulgarien ins Oberbergische ziehen.

Zusammen mit Österreichern will die Firma Konzepte umsetzen, die handelsübliche Fahrzeuge mit schnellem Umbau reif fürs Gefecht machen.

Der Mittelstand als „Schnellboot“ 
Die Pläne imponierten dem Landrat, der betonte, Deutschland brauche eigene Verteidigungstechnik, und zwar rasch. In dieser Situation beweise der Mittelstand, dass er deutlich schneller umsteuern könne als viele Großkonzerne. „Er ist sozusagen das Schnellboot unserer Wirtschaft.“

Zur Sprache kamen auch Erweiterungsoptionen der Brehmergroup, denn Wachstum brauche Platz. Inzwischen hat das Unternehmenin Elsenroth gleich nebenan ein weiteres Grundstück gekauft. „Wir hoffen, dass wir nicht erneut zehn Tiefenbohrungen machen müssen, bevor wir überhaupt mit dem Bau beginnen", sagte Thomas Brehmer. Der Landrat stimmte zu, dass Bürokratie das Land ein Stück weit lähme.

„Wenn Deutschland vorne mitspielen will, müssen wir dringend unsere Regeln überprüfen – mit ihnen haben wir uns inzwischen selbst matt gesetzt.“

Uwe Cujai versprach, im Rahmen geltenden Rechts, werde der Kreis unterstützen. Überhaupt sei es sinnvoll, dass Betrieb und Behörde miteinander das Gespräch suchten – das gelte für Brehmer, aber genauso für alle anderen Unternehmen im Kreis.

Erschienen am 20.03.2025 in der OVZ.